Marienkäfer und Schneeengel

Kita-Grundschultag 2018

Kalte frische Luft weht in die altgedienten Gänge, als sich am 1. März 2018 wie jedes Jahr die Türen der Turnhalle öffnen und in den folgenden Minuten hunderte kleiner Nasen neugierig hineinspazieren. Ein Drängen, ein Tuscheln, ein Raunen. Ein Ausziehen. Ein Anziehen. Ein Anstellen. Und das alles ganz manierlich - ohne Streit und Zank. Ein jeder möchte am liebsten zuerst zu den zahlreichen Stationen, welche in der Halle auf die Kinder der Kita Caputh und Ferch und der derzeitigen Erstklässler warten, strömen. Doch noch heißt es: ausharren. Die Zeit vergeht jedoch wie im Flug, als man sich gegenseitig wiedererkennt. Die alten geliebten Erzieher werden dabei von den Erstklässlern ebenso freudig begrüßt wie die Freunde aus der Kita, welche man nun schon mehrere Monate – nahezu eine halbe Ewigkeit – nicht mehr gesehen hat. Ein Winken und Rufen und unbeholfenes Umarmen folgt den ersten Blicken, doch bald schon ist auch dieser Moment vorbei, denn Frau Rudzinski, die Direktorin der Schule, begrüßt alle Kinder herzlich und heißt sie auf dem Schulgelände willkommen.
Im Nu sinkt durch den ersten Augenkontakt mit der Leiterin der zukünftigen Schule die Angst vor der bevorstehenden Schuleingangsuntersuchung. Stattdessen steigt die Vorfreude auf den Tag, an dem man selbst Teil der Grundschule sein wird. Nacheinander werden die anwesenden Kinder und Erwachsenen auch von der Kita Ferch begrüßt und ein großes Dankeschön an alle fleißigen Helfer für diesen Tag ausgesprochen, welche bereits eine Stunde zuvor den Tee und die einzelnen Stationen aufgebaut haben. Darunter auch die Klassensprecher der sechsten Klassen, welche später noch eine wichtige Rolle – nicht nur beim Ausschenken des Tees – spielen werden.
Es schließen sich zwei kleine Präsentationen der Kitas an, welche den Schulkindern zeigen wollen, dass auch sie in den vergangenen Monaten schon viel Neues gelernt haben. Beim Tanz kann jedes Kind mitmachen, denn alle Figuren sind leicht nachzuahmen, wenn man gut aufpasst. Auch das Lied um die Buchstaben „Alle Kinder lernen lesen“ kommt gut an und alle sind schon jetzt, getreu dem diesjährigen Motto „Denk mit, mach mit, bleib fit“, mit vollem Eifer dabei.
Anschließend geht es zu den einzelnen Stationen. Dank des roten oder blauen Namensschildchens, das jedes Kind am Oberteil trägt, geht dies schnell und nur Sekunden später finden sich Kita- und Grundschulkinder in bunt gemischten Gruppen zusammen bei ihrem Stationsleiter. Das Klingeln der Schulglocke gibt das Startsignal und alle legen eifrig los.
An der Yoga Station sollen alle Kinder versuchen, die dargestellten Figuren mit dem ganzen Körper nachzumachen. Gar nicht so einfach, da zunächst Arme und Beine einmal geordnet und schließlich wie dargestellt in die richtige Position gerückt werden müssen. Nach nur 10 Minuten ertönt das Signal erneut und mit ein wenig Hilfe seitens der Stationsleiter wird zur nächsten Station gewechselt. Die Bewegungsstation erfordert geschickte Partnerarbeit denn zu zweit und nur mit einem Handtuch ausgerüstet, soll ein Ball als Team im Slalom um kleine Hindernisse herum geführt werden. Erschwert wird dies zum Teil durch verschiedene Vorgaben wie „Legt den Weg hüpfend zurück“. Doch schon geht es weiter. Gebastelt wird auch. Denn an einer weiteren Station wird von den Betreuern zum Falten aufgerufen. Gemeinsam und unter Anleitung basteln die Großen und Kleinen ein kleines Lesezeichen für Bücher. In der Fühlstation hingegen heißt es “Augen zu und Mut beweisen“. Denn ohne Hinzusehen muss die Hand verschiedene Gegenstände erfühlen und ausgelegten Fotos zugeordnet werden. Gar nicht so leicht. Beliebt ist auch die Eisschollenstation. Gemeinsam mit Partner soll eine bestimmte Route vorbei an riesigen Eisschollen gefunden werden, welche sich vor den Kindern auftürmen. Und das alles für das Ziel, den hungrigen Eisbären zu füttern, welcher sich unter einem der Eisberge irgendwo versteckt hält. Keine Frage, dass hier die Großen den Kleinen eifrig helfen, den Weg durch die weiße Eislandschaft zu finden. Bei der Tangram Station wird schließlich noch einmal der Kopf gefordert, denn immer zu zweit sollen die dargestellten Figuren mit großen Moosgummistücken nachgelegt werden. Ganz schön knifflig!
Bei so viel Kopf- und Beinarbeit trifft es sich gut, dass auch eine Teestation eingeplant ist. Hier können alle Kinder kurz durchatmen und sich in Ruhe einen Becher Tee genehmigen. Bei Bedarf füllen die betreuenden Sechstklässler auch gern noch einmal nach. Doch nicht nur das! Da jede Station insgesamt 10 Minuten währt, ist schnell die Langeweile da. Woran die Erwachsenen nicht gedacht haben, wird von den großen Sechstklässlern schnell erkannt. Eine Lösung muss her. Zuerst werden Bälle geholt, doch leider landen diese immer wieder unliebsamer Weise bei den anderen Stationen. Also flugs noch einmal nachgedacht und alle Kinder werden rasch herangerufen. „Steuer, Wasser, Sturm“ ist das Ziel und alle 20 Kinder an der Station machen begeistert mit. Erst recht, als sich immer neue Formen ergeben. Auf einmal findet auch der „Marienkäfer“ seinen Platz bei den großen Jungs und alle Kinder schmeißen sich sofort auf den Rücken und strampeln mit den Füßen in der Luft. Auch der „Schneeengel“ – passend zur Jahreszeit – trifft auf Begeisterung. Schon bald erschallt ein fröhliches Johlen und Lachen von Seiten der größten Station im Raum und die Klassensprecher…? Die arbeiten wie die Erwachsenen souverän und haben alles unter Kontrolle. Großartige Leistung!
Nach der letzten Station und einem gemeinsamen Lied im großen Kreis, angeleitet von Frau Hoßfeld aus der Grundschule, neigen sich die schönen Stunden schließlich dem Ende entgegen. Alle Kinder betonen noch einmal, wie sehr ihnen der Tag gefallen hat. Dies zeigt sich auch darin, dass alle Teilnehmenden kleinen und großen Kinder freudig mit anpacken, als es „Aufräumen“ heißt. Ein Gewusel und Getrappel bricht los und Kita- und Grundschulkinder arbeiten Hand in Hand mit den Erziehern und Lehrern, die diesen Tag über Wochen vorbereitet hatten und den Eltern, welche dankbarerweise bei der Betreuung geholfen haben.
Schon Minuten später ist die Turnhalle wieder so sauber, als sei sie nie zuvor von über hundert 5- und 6- und 7jährigen betreten worden. Alle ziehen sich um. Ein Schlüssel klappert. Die Tür schließt sich. Stille senkt sich über die große leere Halle.
Schön war‘s.

Andrea Hartmann